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Westentascheneinführung zu Mises erschienen! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Freitag, 11. Oktober 2013

Thorsten Polleit (Hg.): Ludwig von Mises. Leben und Werk für Einsteiger, Finanzbuchverlag, 1. Aufl. München 2013, 152 Seiten, 14,99 Euro.

Wer war einer der bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, der dem Mainstream der herrschenden Wirtschaftswissenschaft weitgehend unbekannt ist? Besser: unbekannt war, bis zur aktuellen Finanz- und Staatsschuldenkrise, zu dessen Ursachen und Verlauf Ludwig von Mises viele Einsichten bietet und ohne den Friedrich August von Hayek wohl kaum seinen Nobelpreis bekommen hätte.

Rechtzeitig zu seinem 40. Todestag (10.10.1973) erhellt Thorsten Polleit, Präsident des Ludwig von Mises Institut Deutschland, in einem kompakten Sammelband Leben und Werk des herausragenden Vertreters der Österreichischen Schule. Seinem Beitrag über Mises’ wissenschaftliche Methode – der Praxeologie – gehen drei Aufsätze voran: Wieder abgedruckt wurde Hermann Hoppes prägnante Intellektuellenbiographie über Mises und den Liberalismus. Der Essay-Klassiker des führenden Anarchokapitalisten aus dem Jahr 1993 ist als konziser Überblick ideal geeignet und weckt weiterreichendes Interesse. Das kann Jörg Guido Hülsmann, u.a. mit „The Last Knight of Liberalism“ Mises’ umfangreichster Biograph, insofern befriedigen als er Mises’ Geldtheorie für Anfänger und Fortgeschrittene erläutert. Eingebettet in den historischen Kontext der ökonomischen Debatten zum Wesen des Geldes seit Adam Smith entsteht ein klares Kontrastbild der bis heute nicht ausreichend rezipierten geldtheoretischen Erkenntnisse der Österreichischen Schule. Dazu gehören das Wesen des Geldes und dessen Wert, die Geld- und Bankpolitik, die Rolle von Sach- versus Zirkulationskrediten sowie der Unterschied von Markt- und Geldzins.

Der junge Ökonom Philipp Bagus, gleichsam der d’Artagnan neben den drei österreichischen Musketieren Hoppe, Hülsmann, Polleit, erläutert die miseanische Interventionismuskritik. Erfreulicherweise geschieht das durch eine Verbindung von Mises’ Sozialismuskritik und seiner Analyse vom Wesen der Bürokratie. Als namhafter Geldtheoretiker („Die Euro-Tragödie“) liegt es nahe, dass Bagus abschließend die EZB behandelt. Alternativ hätten die Misere des Wohlfahrtsstaates und die jahrzehntelange ordnungspolitische Misswirtschaft in Europa thematisiert werden können.

Gleichermaßen erhellend wie umstritten dürfte der Beitrag zur Praxeologie sein, weicht Mises Wissenschaftstheorie doch besonders grundsätzlich vom etablierten Wissenschaftskonsens über die Errungenschaften von Empirismus, Positivismus und Falsifikation von Theorien ab wie Thorsten Polleit herausarbeitet.

Ludwig von Mises war nicht nur ein herausragender Ökonom und Gesellschaftstheoretiker, sondern auch ein wirtschaftspolitischer Kommentator und Berater ersten Ranges wie sein Privatarchiv zeigt. Für Mises-Freunde und die, die es werden wollen, sollte der Einführungsband in keinem Regal oder Reisetasche fehlen. Für eine zweite Auflage ließen sich noch kurze Zusammenfassungen der Kernaussagen, ein tabellarischer Lebenslauf, eine Literaturliste der wichtigsten Publikationen und Ausführungen zu Ludwig von Mises als Wirtschaftspolitiker ergänzen.

Michael von Prollius

 
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