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Unterhaltung im Spannungsfeld von Freiheit und Knechtschaft PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 06. August 2006
 
 
altDie Science-Fiction Krimi-Serie „Jonas, der letzte Detektiv“ vermittelt einen plastischen Eindruck von einer möglichen kollektivistischen Zukunft. In einer fiktiven, gleichwohl streckenweise durchaus realitätsnahen Welt der Jahre nach 2009 beherrschen Bürokraten, teilweise verflochten mit Monopolisten, alle Lebensbereiche der Menschen. Mit seiner 25jährigen Vorausschau hat der Autor Michael Koser 1983/84 eine Zukunft beschrieben, vor deren autoritären Formen bereits Wilhelm Röpke als konsequentes Endstadium des Wohlfahrtsstaates gewarnt hatte.
 
 
CoverIndividualität im Kollektiv
Im Film-Klassiker "Club der Toten Dichter" kämpft der Englischlehrer John Keating, gespielt von Robin Williams, leidenschaftlich und mit viel Humor für die Entfaltung der Persönlichkeit seiner Jungs. Im Kollektiv des Paukinternats ist Konformität oberstes Gebot. Der Druck der Eltern und des latent sadistischen Direktors ist enorm. Die Freiheit der Meinung und der Perspektive zur proportionierlichsten Bildung der Kräfte sind unerwünscht. Dennoch reicht ein einziger Lehrer aus, um die Schweigespirale zu durchbrechen. Seine Intervention hat weitreichende Folgen.
 

CoverDie proportionierlichste Bildung der Kräfte
„Es war nicht so sehr ich, die die Musik wählte, sondern vielmehr die Musik, die mich wählte.“ schreibt die kanadische Sängerin und Unternehmerin Loreena McKennitt. Ihre Leidenschaft für keltische Musik scheint Triebkraft ihrer persönlichen Vervollkommnung zu sein. In „Nights from the Alhambra“ präsentiert die Klavier, Harfe und Akkordeon spielende Komponistin anspruchsvolle, vielfach klassische Texte mit orientalischen Einflüssen. Begleitet von einem Musikerensemble und ihren klassischen Instrumenten verbindet ihre prägnante Sopranstimme Mittelalter mit Moderne, Okzident mit Orient. Es bereitet Freude, Loreena McKennitt zu sehen und zu hören – Leidenschaft und Professionalität erscheinen Ausdruck eines tiefgründigen Charakters zu sein.
Auf ihrer Webseite macht sie ihre Werteorientierung deutlich. Zu ihren Prinzipien gehören: „Die Dinge sind nicht so wie sie scheinen.“ und „Nimm Dein Leben selbst in die Hand und verfalle nicht in Anspruchsdenken.“ sowie „Mache Dir hohe Ideale wie Ehrlichkeit, Mut und ehrbares Handeln zu eigen.“ Gibt es eine schönere Werbung für das humboldtsche Ideal? Die Ordnung der Freiheit ist nicht zuletzt eine Ordnung der Vielfalt.
 
 
Schutz des Selbsteigentums als Frage der Ehre
CoverDer Film Open Range (2003) ist wahrscheinlich ein unterschätzter Film. Dies gilt weniger für die wunderbaren Naturaufnahmen und den fulminanten, vergleichsweise realistischen Show down, als vielmehr für die freiheitlichen Werte: "Man's gotta right to protect his property and his life"!
Diese Worte des Viehherdenbesitzers Boss Spearman (Robert Duvall) bilden den Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Selbsteigentum und Selbstregierung sind es, die Spearman zusammen mit seinem Angestellten Charley Waite (Kevin Costner) verkörpert. Angesichts des Versagens staatlicher Ordnungsmacht stellen die beiden Cowboys die Gültigkeit dieser beiden Werte mit privater Gewalt für sich und das Dorf wieder her. Dazu müssen sie sich gegen den korrupten Sheriff und den die Stadt tyrannisierenden Großgrundbesitzer durchsetzen und Gerechtigkeit einfordern. Und das heißt die Herrschaft des Rechts als Gleichheit vor dem Gesetz, welches Ausdruck der herrschenden, aber angesichts verängstigter Dorfbewohner unterdrückten Moraltraditionen ist. Schließlich deutet der 1882 spielende Film ein libertäres Spannungsfeld an,:das Versagen staatlicher Gewalt als Ausdruck des Rechtsstaats einerseits und die Usurpation der Privatrechtsordnung durch einen radikalen Einzelnen. Das Happy End bestätigt den liberalen Optimismus: Das Gute setzt sich durch das Handeln Einzelner durch. - So gesehen ganz schön viel Inhalt für einen klasse Western.
 
 
Freiheit – Glaube – Mut
Cover„Im Wendekreis des Kreuzes“ spielt im Rom des Jahres 1943. Gregory Peck brilliert als irischer Priester Monsignore Hugh O'Flaherty. Alliierte Soldaten, Juden und Widerstandskämpfer werden durch seine Initiative außer Landes geschmuggelt. Sein Widersacher ist SS-Obersturmbannführer Kappler (Christopher Plummer), der diese gnadenlos verfolgen lässt. 
So entwickelt sich ein Duell, dass mit ungleichen Mitteln geführt wird - O'Flaherty verkörpert Menschlichkeit und Freiheit, Kappler Gewalt und Zwang. Je stärker der Druck auf den Priester wird, bis hin zu offenkundigen Mordversuchen, desto findiger führt er das Katz und Maus-Spiel in wechselnden Verkleidungen. Zwei Schlüsselszenen führen das gegensätzliche Wesen einer Ordnung der Freiheit und der Sackgasse von (Gewalt)Herrschaft eindrucksvoll vor Augen: die Konfrontation des Freiheitskämpfers und des Unterdrückers auf einem großen Empfang, hier schlagfertiger Charme dort brutale Machtanmaßung, und der finale Höhepunkt im Kolosseum.
Der für das Fernsehen gedrehte Film beruht auf wahren Begebenheiten. Für den Zuschauer wird deutlich, dass Freiheit nicht wertelos oder beliebig ist. O'Flaherty tritt uns zupackend, fest verwurzelt in der christlichen Tradition und der Katholischen Kirche entgegen. Er leistet jedoch keinen blinden Gehorsam, auch nicht gegenüber dem zögerlichen Papst, sondern ist Gott und seinem freiheitlichen Gewissen verpflichtet. Das verleiht ihm Mut und Standfestigkeit, gerade im Angesicht willkürlicher Gewaltanwendung der bigotten Machthaber und ihren zwanghaften Klein-Männer-Träume.
 
Der zwanglose Zwang des besseren Arguments
Fernsehmoderator Edward Munroe ist in den USA berühmt, er verkörpert Integrität. In den 50er Jahren führte er einen couragierten Kampf für die Meinungsfreiheit und den zwanglosen Zwang des besseren Arguments. Auf stilistisch und rhetorisch hohem Niveau setzte sich der im Zweiten Weltkrieg durch Berichterstattungen aus England berühmt gewordene Reporter mit dem einflussreichen Senator Joseph McCarthy auseinander, der eine landesweite Hexenjagd gegen vermeintliche Kommunisten und Andersdenkende führte. Munroe gelang das Unerwartete, er zwang McCarthy in die Knie. Zugleich konnte er den Niedergang des Fernsehens nicht verhindern.
In George Clooneys „Good Night, and Good Luck“ spielt David Strathairn den Ausnahmejournalisten Munroe überzeugend. Der Film vermittelt eindringlich die Bedeutung von Ideen, Informationen und Überzeugungen. Munroe war stets der Ansicht, dass das Publikum nicht so schlicht ist, wie behauptet wird, und eben nicht nur abgelenkt und unterhalten werden möchte. Fernsehen könne lehren, aufklären, inspirieren. „Aber das kann es nur in dem Maß, in dem Menschen entschlossen sind, es genau zu diesen Zwecken einzusetzen. Andernfalls sind sind es nur viele Kabel und Leuchten in einem Schrank“ bekräftigt Munroe in der Schlussszene.
Individualität, Prinzipientreue und der Kampf für gewonnene Überzeugungen gerade gegen Widerstände, diese drei Botschaften des Films sind heute in Europa wieder so aktuell wie bereits damals in den USA.

Vernunft und Vertrauen als Schlüssel zur Konfliktlösung
Die Privatrechtsgesellschaft ist möglich – in kleinen überschaubaren Verhältnissen. Das zeigt unbeabsichtigt der Film „Weites Land“ von William Wyler. Gregory Peck gerät als distinguierter Geschäftsmann der Ostküste zwischen die Fronten zweier erbittert um eine Wasserstelle streitender Familien. Durch seinen unermüdlichen, penetrant friedlichen Einsatz verhilft er, gestützt auf seine Autorität, die so gar nicht zu den Idealen des Wilden Westens passen will, der Vernunft zum Durchbruch. Er kauft die Ranch mit der Wasserstelle, gewährt beiden Parteien Wassernutzungsrechte und deckt auf, dass der Streit wesentlich auf Hass, Gier und Neid der beiden rivalisierenden Familienoberhäupter beruht. Vermutlich anders als beim Eingreifen eines Gewaltmonopolisten geht er den Konfliktursachen auf den Grund und löst diese – die Ursache für den Konflikt wird gelöst, Gewalt nicht nur gedeckelt. Allerdings bleibt der Konflikt überschaubar und individuelle Rechte werden innerhalb der Familien maßgeblich von den Familienoberhäuptern gesetzt.

Unabhängig davon ist der im Oktober 1958 unter dem Titel „Big Country“ uraufgeführte epische Western ein Meisterwerk – großartigen Schauspielern und wunderbaren Landschaftsaufnahmen sind zwei Gründe neben der Konzentration auf Vernunft und Vertrauen statt der üblichen Gewaltverherrlichung.

 
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